Wenn du keine Worte findest...
Wenn Fassungslosigkeit und Schmerz dich in die Knie zwingen...
Wenn du vor einem Holzkreuz auf einem Friedhof stehst und den Namen deines Sohnes darauf liest...
Wenn du dir das eigene Ende herbeisehnst..
In deinem Namen habe ich das Letzte für dich getan, was ich für dich tun konnte... Deine Dissertation wurde über die Bibliothek der Universität Tübingen veröffentlicht.
18. Juni 2026
Fährmann
Sternenglanz umgibt mich, spiegelt sich lautlos auf der glatten Oberfläche des Flusses. Stille rings umher. Die Welt, sie schläft. Noch schlägt mein Herz. Die Münze fest in meiner Hand starre ich hinaus aufs Wasser, das den Atem angehalten hat. Ich lausche. Warte. Warte auf das Plätschern der Ruder, stelle mir vor, wie kleine Wellen gegen den Rumpf deines Bootes schlagen. Ich blicke hinüber auf die andere Seite, kann das Ufer nicht sehen, zu dicht ist der Nebel.
Sehnsucht, nichts kann dich stillen.
Charon, Fährmann, ich rufe deinen Namen in die Finsternis.
Wirst du kommen heute Nacht?
Wirst du mich dorthin bringen, wo ich mein Herz wiederfinde?
Ein leises Plätschern kündet von deiner Ankunft. Dein Boot, es gleitet auf mich zu, legt an. Du bist alleine, ich dein einziger Passagier. Wortlos bedeutest du mir, dein Boot zu besteigen. Ich reiche dir die Münze. Du zeigst mir meinen Platz.
Ich schließe die Augen und lasse mich treiben. Ein helles Licht durchflutet mich.
Meine Seele wird leicht.
Wirst du schon da sein, wenn das Boot anlegt? Wirst du mich erkennen?
Ich fühle es, du wartest bereits auf mich…
Ich bin auf dem Weg. Auf dem Weg zu dir. Dort drüben bist du.
Bald sind wir in der Mitte des Flusses. Schon bald…
© Ruth Edelmann-Amrhein
09. März 2026
Mein Stern
Da war einmal ein kleiner Stern. Geboren an einem frühen Maientag. Schimmernd am Horizont begann er, sich seinen Weg zu bahnen. Jedes Herz, das auf ihn traf wurde erfüllt mit Wärme, Licht und Liebe. Dieser Stern war ein ganz besonderer. Schon bald begann er zu leuchten, stieg höher am Firmament, wurde größer und heller. Als er seinen Zenit erreichte, war er umhüllt von Klängen, erfüllt mit praller Energie. Kraftvoll teilte er sein Licht, seine Wärme und seine Klänge mit allem, was ihn umgab. Doch der Stern übersah, dass er sich auf ein Schwarzes Loch zubewegte. Auch dieses dehnte sich aus, streckte ihm seine Arme entgegen in der Absicht, ihn an sich zu reißen.
Allmählich fühlte der Stern, wie seine Energie ihn ganz langsam verließ. Er strahlte noch immer, doch nun aus einer anderen, tieferen Tiefe. Und dann, in einer kalten Nacht im Februar, warf das Schwarze Loch sein Netz über den Stern, der müde geworden war und sog ihn in sich auf.
Doch der Stern war nicht untergegangen. Er stieg auf in andere Sphären. In den Herzen derer, die ihm je begegnet waren, wurde der Stern wiedergeboren.
Am Firmament der unendlichen Liebe wird er stehen und leuchten, bis in alle Ewigkeit.
Für meinen Sohn Dominik Edelmann
* 9.5.1991 ✝ 3.2.2025
©Ruth Edelmann-Amrhein
05. Juli 2026
Zum 9. Mai 2026
Dominik, mein Sohn, heute vor 35 Jahren durfte ich dich zur Welt bringen. Am 3. Februar 2025 hast du diese verlassen müssen. Ich vermisse dich unendlich, jeden Tag, jede Sekunde meines Lebens.
Was kann ich dir noch schenken? Ein Lied...
https://www.youtube.com/watch?v=Dt833lK17gs
Danke an Henning Mallon für die Gestaltung dieses Songs, der meine Botschaft an dich trägt:
Bis zum Ende meiner Zeit werde ich dich lieben